LIEBLOG
Das weBLOG von Norman Liebold: Nachrichten aus dem Scriptorium

„Dämonenwall“ überwunden, die Zwerge rufen

Die Arbeiten an „Dämonenwall“, der als illustriertes Hardcover Ende Januar 2019 bei Edition Roter Drache erscheint, sind abgeschlossen. Gut 20 Illustrationen entstanden in den letzten Wochen – von Landschaftszeichnungen aus der Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald, wo die Geschichte spielt, über aufwendige Initialien bis hin zu Schmuckelementen und Illustrationen. Ein wenig Aufräumen und Sortieren, dann heißt es, das Manuskript von „Zwergenbinge“ aus der Schublade holen, um es endlich, nach über vier Jahren, zu vollenden.

Wahrscheinlich wird es ein wenig stiller werden um mich herum, die Tag-und-Nach-Gleiche ist vorüber, die dunkle Jahreszeit beginnt, und nicht zuletzt werde ich ab nächste Woche wieder in die 1000 Jahre alten Gewölbe der Druckluftkammer in Koblenz hinabsteigen, um die Großskulptur „Projekt Sternenwesen“ um den Bauabschnitt II zu erweitern. Für wahrscheinlich 6 Wochen wird meine Welt aus Wirbeln, Schädeln und sehr viel Gips bestehen, abgeschieden von der Oberwelt in den Eingeweiden Koblenz‘, ohne Empfang der Virtualität. Und tatsächlich: Ich freue mich sehr auf diese wild skulptureske Berserker-Klausur. Weiterlesen »

Devaud und Liebold machen blau

Cover Azurit
Cover Azurit

Im März diesen Jahres veröffentlichte ich meine erste im Hunsrück angesiedelte Novelle „Azurit“ in Christian von Asters „Boschs Vermächtnis“. Sie ist im Atelier des international renommierten Künstlers Philippe Devaud (Rinzenberg) und in der Niederbrombacher Kirche verortet und verschmilzt historische Fakten, reale Orte und Begebenheiten mit Mythen und Phantastik.
So spiele ich darin mit dem sehr wahrscheinlichen Umstand, dass Hieronymus Bosch sein Blau und Grün als Azurit und Malachit aus dem Kupferbergwerk Fischbach bezogen haben dürfte. Weitere historische Verbindungen der Niederbrombacher Kirche zu Bosch machen einen Bosch-Besuch möglich. So war hier Johannes Liechtenberg (1426-1503) ab 1481 Pfarrer in Niederbrombach. Er war Hofastrologe von Kaiser Friedrichs III., dem Lehnsherrn von Engelbert II von Nassau, der wiederum den „Garten der Lüste“) in Auftrag gab. Die Männer waren über den Orden vom Goldenen Vließ miteinander verbunden. Das Auffinden eines Bosch-Frescos (eigentlich Secco) in der Kirche bei Devauds Restaurierungsarbeiten in den 80igern wäre also theoretisch denkbar, wobei aber mit Sicherheit in den Bereich der Phantastik gehört, dass dieses verschollende Bosch-Kunstwerk eine geheimnisvolle, verschlüsselte Karte nach Anderswelt darstellt.

„Azurit“ ist Teil der Anthologie „Boschs Vermächtnis – Geschichten aus dem Garten der Lüste“, herausgegeben von Christian von Aster mit Geschichten von 32 Autoren aus ganz Deutschland. Weiterlesen »

Abent(h)euer SalonKultur

Von Liebold modelliert und eingeformt, von Kampf ausgegossen: Der Dämonenwall-Dämon. Photo: Dirk Pirro
Von Liebold modelliert und eingeformt, von Kampf ausgegossen: Der Dämonenwall-Dämon. Photo: Dirk Pirro

Das Herrschaftshaus der ehemaligen Eisenhütte Abentheuer, erbaut 1716, hat mit Sicherheit schon bessere Tage gesehen. Der Lack blättert von Fenstern und Türen, auf der Treppe blühen Kräuter. Der Zahn der Zeit nagt am Zeugen der Eisenverarbeitung im Hunsrück – eine Art Dornröschenschloss mit Gründerzeitflair zwischen Shabby chic, Lost Place und Landlust-Romantik. In einem Winkel hat Stefan Pink das Technikarsenal des Nationalpark-Radios aufgebaut und sitzt hinter Mischpult, Laptops und Mikrophonen. Sektgläser warten auf einem antiken Tischchen. An den Wänden hängen dicht an dicht Holzschnitte, Radierungen, Grafiken und Gemälde des Kunstvereins Obere Nahe e.V.. Der schwarz-weiß geflieste Boden im Flur glänzt spiegelblank und der Salon atmet die Atmosphäre alten Glanzes: samtbezogene Stühle um schnitzwerküberladenen Tischen. Die Freitreppe am Haus, seit einigen Jahren zerbröckelnd und nicht mehr begehbar, steht plötzlich wieder wie aus dem Ei gepellt da, als wäre das alte Haus dabei, sich zu verjüngen. Die ersten Autos parken auf der frischgemähten Wiese, während hier noch ein Tischtuch gerichtet wird, aus der Werkstatt das Klopfen tönt, aus dem offenen Fenster hört man kurz Musikfetzen – da werden Instrumente eingespielt.
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Zombies für „The Dandy is Dead“

Katharina Theine: Parzifal
Katharina Theine: Parzifal

Während ich kopfdurchblasend und keuchend die Gipfel des Salzkammergutes erklomm – voller Dankbarkeit für dieses fünftägige Geschenk, das mir von allerliebsten Lieben gemacht wurde – entstand die Story für die „Basement Tales„. Ebenwelche sind ein absolut liebenswerte Projekt von Tom Becker aus Saarbrücken in seinem frisch geschlüpften Verlag „The Dandy is Dead„. Neue „Weird Tales“ für Deutschland, sozusagen, dem ich nicht nur allergrößtes Glück wünsche und Erfolg, sondern dass ich auch gerne geschichtentechnisch unterstütze. Toms Begeisterung („die Geschichte ist der HAMMER“) hat mich sehr gefreut, offenbar habe ich mit entscheidungsunfreundlichen Zombies und überaus gehirnverknotenden Situationen seinen Geschmack getroffen. Für mich selbst nebenbei eine besondere Geschichte, in der ich mich selbst zitiere, bzw. richtiger, den Faden eines meiner Lieblingsbücher aufnahm: Die „Spaltenzungen“. In den letzten Monaten nämlich hatte ich nicht selten das Gefühl, in meinem eigenen, überaus surrealen und verstörenden eigenen Roman aufgewacht zu sein.

„Parzifal“ erscheint in den „Basement Tales“ Vol. 2 im Dezember.

 

„Dämonenwall“ – Ankündigung

Nahezeitung, 19.07.2018, S. 18
Nahezeitung, 19.07.2018, S. 18
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