LIEBLOG
Das weBLOG von Norman Liebold: Nachrichten aus dem Scriptorium

Nachrichten aus „Zwergenbinge“

2015-01-29_zweHerbst vorletzten Jahres flatterten mir die „Zaunkönige“ in den Schädelkasten und tschilpten dermaßen laut, dass ich nicht umhin kam, alles stehen und liegen zu lassen, um mich dieser Erzählung zu widmen. Anfangs dachte ich noch, die lustigen kleinen Piepmätze wären schnell zufrieden gestellt, so dass ich mich nach vier, fünf Wochen Siegfriedfelsen-Kletterei  wieder dem Roman zuwenden könnte, an dem ich seit Winter 2013 sitze. Wer konnte auch ahnen, dass der Zaunkönig-Schwarm nur so harmlos tat und hinter ihm breit grinsend Fafnir in seinem Drachenloch hockte, sehr erpicht darauf, ausgiebige Gespräche mit mir zu führen – über ein Jahr lang, bis sein Buch dann Ende letzten Jahres endlich fertig und draussen war?

Der Roman, bei dem ich twitschernd-frech gestört wurde, war im Herbst 2014 bereits zu mehr als drei Vierteln abgeschlossen. Mich wieder in seine völlig anders gelagerte Erzähl- und Stilwelt wieder einzufinden, hat ein wenig gedauert. Aber hat auch viel Freude gemacht. Er liest sich noch so gut, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Ich bin wieder hinabgestiegen durch die Ofenkaulen und tief, tief unter den Berg nach Zwergenbinge. Ein harter Sprung ins kalte Wasser – von einem realistisch-politsatirischen Dokuroman ins Herz von Anderwelt an die Wasser phantastischer Erzählung. Die Welt hat mich jedoch nach dem ersten tiefen Luftholen wieder ganz gefangen genommen und ich freue mich sehr auf die Arbeit, nicht zuletzt auch an der üppigen Bilderwelt, die rings um den Märchenroman entstehen wird.

„Zaunkönige“ erschienen

zaunkoenige_cover_vlbDie „Zaunkönige“ sind erschienen und ab sofort überall zu bekommen, wo es Bücher bzw. eBooks gibt. Das Buch ist ein edles Hardcover geworden mit 21 Zeichnungen aus meiner Feder und kostet 9,95 €. Bitte kaufen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens und nur zur Not bei der Einzelhandelsvernichtungsmaschine.
Kladdentext: „Das ist die Geschichte der Zaunkönige. Sie erzählt vom Kampf des Siebengebirges mit dem Drachen Bürokratie, vom haarscharf abgewendeten Untergang der 1000jährigen Weinkultur am Drachenfels, von politisch-verwaltungstechnischem Wahnsinn und zivilem Ungehorsam im Schatten von Europas meistbestiegenem Berg. Eine Geschichte, die – exemplarisch und bewegend – ebenso Hoffnung schenkt, wie sie die Idiotie entmenschter Bürokratie entlarvt. Ein wahres Politmärchen.“

Zaunkönige flügge

Dem Entschluss im Frühjahr 2014, die „Zaunkönige“ zu schreiben, folgte nach der Veröffentlichung der „Ansichten eines Aktmodells“ im Oktober der Schritt in den Staub der Archive des ältesten Naturschutzvereins Deutschlands, die bis 1869 zurückreichen. Dem Gefühl von Dankbarkeit dem VVS gegenüber, in diesen heiligen Hallen nach Herzenlust wühlen und recherchieren zu dürfen, folgte schnell das Bewußtsein, das nette Novellchen über sozial ungehorsame Heinzelmännchen am Drachenfels im Stil von „Forstokratie“ ein klein wenig unterschätzt zu haben. Die Recherchenotizen wuchsen über ein Jahr lang an und neben der Aufgabe, eine schöne und bewegende Geschichte zu schreiben, stand ich wie nie zuvor vor der Schwierigkeit, denkbar entgegengesetzten Erfahrungswelten gerecht werden zu müssen. Ich habe es nicht zuletzt Fafnir zu verdanken, der mir in langen Gesprächen draconisch abgeklärt immer wieder Mut machte. Und natürlich all jenen, die sich von mir mit Fragen haben löchern lassen. Am 27.11. endlich waren die Zaunkönige flügge und durften in der Talstation der Drachenfelsbahn trotz zähneklappernd beißender Kälte ihre ersten Flugversuche machen, wunderbar musikalisch begleitet vom Gentile Akustik Duo. Eine wirklich schöne und nur meteorlogisch leicht unterkühlte Buchpremiere.

zaunkönigliche Zeichentouren

Während das Lektorat am Text schleift und feilt und entfehlert, stapfe ich unterm Siegfriedfelsen durch die Reihen der Weinstöcke, tummle mich auf den Kiesbänken des Rheins bei Rhöndorf und wandere über die Sieben Berge, während sich Wölkchen kondensierten Atems vor meinem Mund bilden und ich immer wieder auf ein Heißgetränk in eine der Wirtschaften einkehre, um die klammen Finger aufzuwärmen. „Zaunkönige“ wird etliche Illustrationen enthalten, nicht wenige davon Landschaftszeichnungen von den Schauplätzen, die ich direkt vor Ort aufs Papier werfe. Es macht große Freude, aber August oder September wäre, glaube ich, eine bessere Zeitwahl gewesen als Mitte Oktober… aber als es schön warm war, war der Füllfederhalter noch ganz mit dem Manuskript beschäftigt. Nun denn, heißer Kakao mit viel Sahne kann einiges!
 

Reise in die Vergangenheit / Meister und Odysseen

Prof. Dr. Klaus Otte, Tusche auf Leinwand 80x40cm
Prof. Dr. Klaus Otte, Tusche auf Leinwand 80x40cm

Ich hatte die Ehre, einen kleinen Wortbildbeitrag zur Festschrift meines lieben Freundes und Lehrers Prof. Dr. Klaus Otte beitragen zu dürfen. Natürlich in Form einer illustrierten, kleinen Novelle mit dem Namen „SEInsSPRINGEN“, die mich – neben den Arbeiten zu „Zaunkönige“ und „Zwergenbinge“ – in den letzten Tagen auf eine interessant-hellsichtige Reise in die Vergangenheit schickte. Zu den Ursprüngen magischer Flöten und verzauberter Reisen und Suchen. Soeben stellte ich die Illustration fertig und freue mich auf das Erscheinen des Buches Anfang Juli: Festschrift für Prof. Dr. Klaus Otte: Ein Dialog in Raum und Zeit.

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